Text Bentham

Text Mill

ethischer Egoismus

Egoismus nach Hobbes

Präferenzutilitarismus

In der Nachfolge der englischen Aufklärer John Locke(1632-1704) und David Hume (1711-76), die beide nur die Erfahrung als sichere Erkenntnisquelle gelten lassen (=Empirismus), bekämpft Jeremy BENTHAM die Autorität der Kirche und die Privilegien der Herrschenden.

"Einzig und allein der allgemeine Nutzen soll Maßstab des Handelns sein!"

Damit verwirft Bentham sowohl die Rechtfertigung der Moral aus der Tradition, aus einem moralischen Gefühl als auch die Menschenrechte für metaphysische und romantisch!
Vor allem in dieser eher geringen Schätzung menschlicher Freiheit unterscheidet sich der Utilitarismus von Bentham von Kant.
Philosophiegeschichtlich schließt er damit an den antiken Eudämonismus bzw. An den Hedonismus Epikurs an. Allerdings überträgt er den Glücksbegriff vom individuellen Lebensbereich in den Bereich der Politik und Gesellschaft!

DER UTILITARISMUS BEANSPRUCHT; MORALISCHES HANDELN WISSENSCHAFTLICH ZU RECHTFERTIGEN!!

Benthams wichtigster Mitstreiter war sein 1808 der Historiker James Mill, dessen Sohn ´- JOHN STUART MILL der bedeutendste Utilitarist des 19. Jhds. wurde! Bei ihm wurde Benthams Position allerdings abgeschwächt und Grundgedanken anderer Ethiken mitbrücksichtigt.


Textauszug aus: die Berechnung der Nützlichkeit - Jeremy Bentham:

(Bentham, J.: Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, 1789)

Berücksichtigung der Qualität des Nützlichen - John Stuart Mill:

(Mill J.S.: Der Utilitarismus, 1871)

ARBEITSAUFGABEN:
1.Wähle eine konkrete moralische Frage, um Benthams Anweisungen zur Berechnung der Nützlichkeit anzuwenden. Welche Probleme ergeben sich dabei?
2.Aus welchen Textstellen erkennst Du Mills Absicht, Benthams Utilitarismus abzuschwächen?
3.Welcher Platz könnte dem Gewissen in den utilitaristischen Überlegungen zukommen?


DER ETHISCHE EGOISMUS

= eine Reihe von Lehrmeinungen, die sich auf das egoistische oder eigennützige Handeln beziehen!

LOGISCHER EGOISMUS:
.... es ist eine logische und notwendige Wahrheit, daß die Menschen stets eigennützig handeln;

PSYCHOLOGISCHER EGOISMUS:
.... aufgrund der psychischen Beschaffenheit kann der Mensch nicht anders als eigennützig handeln, wie sehr er auch von seinen angeblichen altruistischen Motiven überzeugt sein mag;

ETHIK DER KLUGHEIT:
.... wir haben nicht nur in einigen Fällen das Recht, sondern es ist stets unsere PFLICHT unsere eigenen Interessen wirksam zu verfolgen;


Vertreter: Hobbes, Nietzsche


Thomas Hobbes: Psychologische Grundlegung des Egoismus

"Die Natur hat die Menschen hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeit so gleich geschaffen, daß der Unterschied zwischen den Menschen alles in allem doch nicht so beträchtlich ist, als daß der auf Grund dessen einen Vorteil beanspruchen könnte.
Was diese Gleichheit vielleicht unglaubwürdig erscheinen läßt, ist nur eine selbstgefällige Eingenommenheit von der eigenen Weisheit, von der fast alle Menschen annehmen, sie besäßen sie in höherem Maße als das gewöhnliche Volk. Aus dieser Gleichheit der Fähigkeiten entsteht eine Gleichheit der HOFFNUNG, unsere Absichten erreichen zu können. Und wenn daher zwei Menschen nach demselben Gegenstand streben, den sie jedoch nicht zusammen genießen können, so werden sie Feinde.
Wegen dieses gegenseitigen Mißtrauens gibt es für niemand einen anderen Weg, sich selbst zu sichern, der so vernünftig wäre als die VORBEUGUNG, das heißt, mit Gewalt oder List nach Kräften jedermann zu unterwerfen, und zwar so lange, bis er keine andere Macht mehr sieht, die groß genug wäre, ihn zu gefährden. Und da folglich eine solche Vermehrung der Herrschaft über Menschen zur Selbsterhaltung eines Menschen notwendig ist, muß sie ihm erlaubt werden.
Ferner empfinden die Menschen am Zusammenleben kein Vergnügen, sondern im Gegenteil großen Verdruß, wenn es keine Macht gibt, die dazu in der Lage ist, sie alle einzuschüchtern.

So liegen also in der menschlichen Natur drei hauptsächliche Konfliktursachen:

1.Konkurrenz
2.Mißtrauen
3.Ruhmsucht

Die erste führt zu Übergriffen des Menschen des GEWINNES, die zweite der SICHERHEIT und die dritte des ANSEHENS wegen.
Daraus ergibt sich klar, daß die Menschen während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, sich in einem Zustand befinden, der KRIEG genannt wird, und zwar in einem Krieg eines jeden gegen jeden! Das Wesen des Krieges aber besteht nicht in tatsächlichen Kampfhandlungen, sondern in der Bereitschaft dazu während der ganzen Zeit, in der man sich des Gegenteils nicht sicher sein kann. Es herrscht beständige Furcht und Gefahr eines gewaltsamen Todes - das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz!
Trotz alledem klagt keiner von uns damit die menschliche Natur an. Die Begierden und andere menschlichen Leidenschaften sind an sich keine Sünde. Die aus diesen Leidenschaften entspringenden Handlungen sind es ebenfalls so lange nicht, bis die Menschen ein Gesetz kennen, das sie verbietet. Es kann aber kein Gesetz erlassen werden, solange sich die Menschen nicht auf die Person geeinigt haben, die es erlassen soll.
Eine Folge dieses Krieges eines jeden gegen jeden ist, daß nichts ungerecht sein kann. Begriffe von Recht und Unrecht, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit haben hier keinen Platz. Wo keine allgemeine Gewalt ist, ist kein Gesetz, und wo kein Gesetz, keine Ungerechtigkeit. Gewalt und Betrug sind im Krieg die beiden KARDINALTUGENDEN. Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sind Eigenschaften, die sich auf den in der Gesellschaft, nicht in der Einsamkeit befindlichen Menschen beziehen. (Ebenso mit Eigentum und Herrschaft). Soviel über den elenden Zustand, in den der Mensch durch die reine Natur tatsächlich versetzt wird, wenn auch mit einer Möglichkeit herauszukommen, die teils in den LEIDENSCHAFTEN, teils in seiner VERNUNFT liegt !"

Thomas Hobbes

VERGLEICHE DEN ETHISCHEN EGOISMUS MIT DEM HANDLUNGSUTILITARISMUS!


PRÄFERENZUTLILITARISMUS

ETHIK PETER SINGERS:
zum Thema: "Weshalb ist Töten verwerflich"
Aus: Praktische Ethik, Stuttgart, 1984, S 101-128

"Wir wollen die Lehre von der Heiligkeit des menschliches Lebens als Ausdruck dafür betrachten, daß menschliches Leben einen besonderen Wert hat, der deutlich verschieden ist vom Wert des Lebens anderer Lebewesen!

Um zu sehen wie weit das gefasst werden kann, betrachte man folgende Beschreibung eines aktuellen Falles in einer Ärztezeitschrift:
Ein Kind wurde geboren mit Down-Syndrom, einer Obstruktion der Eingeweide und einem angeborenen Herzfehler. Die Mutter meinte, es sei ihr unmöglich, sich um das Kind zu kümmern; diese würde eine vernichtende Wirkung auf ihre bereits labile Ehe haben. Sie weigerte sich daher, die Erlaubnis für eine Operation zur Beseitigung der Darmobstruktion zu geben (ohne Operation hätte das Baby bald sterben müssen). Daraufhin erlangte eine lokale Organisation für Kinderwohlfahrt, unter Berufung auf ein Statut über Kindesmißhandlungen, einen Gerichtsentscheid mit der Auflage, die Operation durchzuführen. Nach einem komplizierten Operationsverlauf und der Aufbringung von mehreren tausend Dollar für die medizinische Behandlung wurde das Kind der Mutter zurückgegeben. Das Baby blieb allerdings nicht nur geistig zurück, sondern wegen des Herzfehlers auch in der physischen Entwicklung. Eine Nachfrage achtzehn Monate nach der Geburt des Babys ergab, dass die Mutter das Gefühl hatte, ihr sei ein schwerwiegendes Unrecht zugefügt worden.

Welch eine Gegensatz zu der Unbekümmertheit, mit der wir streunenden Hunden, Versuchsaffen und Rindern das Leben nehmen!
WAS RECHTFERTIGT DEN UNTERSCHIED?

Heute sind sich die meisten Menschen einig, wenn nicht in der Praxis, so doch in der Theorie, dass es, abgesehen von besonderen Situationen wie Notwehr, Krieg oder Todesstrafe falsch ist, menschliche Wesen zu töten, ungeachtet ihrer Rasse, Religion, Klasse oder Nationalität.
Hier ist die Frage angebracht, was wir mit Begriffen wie "menschliches Leben" und "menschliches Wesen" meinen. (Z.B.: die Frage: "Ist der Fötus bereits ein menschliches Wesen"? Abtreibungsdiskussion)

Diese Frage ist wissenschaftlich durch die Beschaffenheit der Chromosomen bestimmbar - und damit ist ein Fötus eindeutig ein menschliches Wesen! Der protestantische Theologe FLETCHER aber hat eine Liste mit INDIKATOREN DES MENSCHSEINS aufgestellt:

Selbstbewußtsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft und Vergangenheit, Kommunikation, Neugier etc.!

(Vgl. Philosophische Menschenbestimmungen/ existenzphilosophische Menschenbestimmungen - Heidegger, Sartre, Jaspers etc.).

Diese beiden Bedeutungen von "menschliches Wesen" überschneiden sich, aber sie fallen nicht zusammen. Der Fötus, der stark zurückgebliebene "dahinvegetierende Mensch" selbst das neugeborene Kind - sie sind unbestreitbar Angehörige der Spezies Homo sapiens, aber niemand von ihnen besitzt ein Selbstbewußtsein oder hat einen Sinn für die Zukunft oder die Fähigkeit Beziehungen mit anderen zu knüpfen. Dass es falsch ist, einem Wesen Schmerz zuzufügen, kann nicht von seiner Gattungszugehörigkeit abhängen! Einem Lebewesen bloß deshalb den Vorzug zu geben, weil das Lebewesen unserer Gattung angehört, würde uns in dieselbe Position bringen wie die Rassisten, die denen den Vorzug geben, die zu ihrer Rasse gehören! Der klassische Utilitarismus beurteilt Handlungen nach ihrer Tendenz zur Maximierung von Lust oder Glück und zur Minimierung von Schmerz oder Unglück (Nutzen). Er bezieht sich damit auf Bewusstseinszustände (=etwas was erfahren und gefühlt wird). Nach dem klassischen Utilitarismus spielt es keine Rolle, dass Wünsche für die Zukunft unerfüllt bleiben, wenn Menschen sterben! Hier wird möglicherweise akzeptiert, dass es in einigen Fällen richtig wäre, eine Person, die sich nicht dafür entschieden hat zu sterben, aus dem Grund zu töten, weil sie andernfalls ein elendes Leben führen müsste.

Anders betrachtet dies der sog. PRÄFERNZ-UTILITARISMUS, der die Wünsche und Zukunftspläne eines Menschen als notwendige Bedingung für ein Recht auf Leben berücksichtigt! Aus diesen Überlegungen ergibt sich die Frage nach dem Wert von bewusstem Leben und selbstbewusstem Leben!

1.WORAUF WILL SINGER HINAUS?

2.VERGLEICHE SEINE ANSICHT MIT DER ETHIK DER INDER (Buddhisten, Hinduisten)

Diskussionsanregungen:

  1. Definiere den Begriff menschliches Leben!
  2. Definiere den Begriff tierisches Leben!
  3. Besteht deiner Meinung nach ein Unterschied zwischen menschlichem und tierischem Leben? Wenn ja worin?
  4. Gibt es aus deiner Sicht lebensunwertes oder –unwürdiges Leben? (Erläuterung)
  5. Definiere die Begriffe Mensch und Person und grenze sie voneinander ab!